„Ich will Veränderung, aber ich habe Angst“ – so bekommst du es trotzdem hin

Coaching berufliche Neuorientierung Anne Klien

Ich bin von Grund auf ein sicherheitsliebender Mensch. Fing ich früher zuhause an, mich in irgendwelchen Szenarien zu verfangen, was alles passieren könnte, WENN… – mein Vater hatte stets seine Standard-Antwort parat: „Das Lebens ist eins der gefährlichsten.“ Ich rollte innerlich (und äußerlich) mit den Augen. Er ergänzte: „Wenn du das Haus verlässt, kann dir immer ein Baum auf den Kopf fallen.“

Rückblickend betrachtet muss ich darüber ein bisschen schmunzeln: Sicherheit war durchaus ein ziemlich wichtiger Wert in meiner Familie.

Und obwohl in mir schon immer eine leise Stimme der Sehnsucht nach einem Auslandsaufenthalt da war, ich wagte es nicht in der Schulzeit. Nicht nach dem Abi. Nicht im Studium. Nach dem Studium wusste ich: JETZT ist so ziemlich die letzte Chance vorm Eintritt ins Berufsleben. Und so wagte ich mich nach Südafrika, um im Township zu arbeiten – mit krasser Angst im Gepäck. Einen Rückzieher zu machen kam nicht in Frage: wusste ich doch, dass es ausschließlich die Angst ist, die mich abhalten will. Ich wollte es mir beweisen. Neues wagen.

Diese 7 Monate gehören zu den schönsten und prägendsten meines Lebens. Scheint also durchaus auch was Gutes zu haben, nicht NUR auf das Sicherheitsbedürfnis zu hören, was?

Aber der Reihe nach. In diesem Blogbeitrag möchte ich darauf eingehen, woher dieses Sicherheitsbedürfnis eigentlich kommt, wie es uns beeinflusst und was du mit diesem Wissen dann also tun kannst, damit deine Sehnsüchte genauso Gehör finden können.

Woher kommt das Sicherheitsbedürfnis?

Naja, erstmal ist Sicherheit ein Grundbedürfnis, das wir Menschen alle (die einen mehr, die anderen weniger) in sich tragen. Insbesondere unsere Eltern und Großeltern haben zudem durch die Weltkriege verständlicherweise ein besonders hohes Sicherheitsbedürfnis. Das natürlich an die Kinder (und Enkelkinder…) weitergegeben wird. Und wer schon mal selbst erlebt hat, was es heißt, kaum über die Runden zu kommen, wird möglicherweise aufgrund dieser individuellen und sicherlich schmerzlichen Erfahrung auch ein besonders hohes Sicherheitsbedürfnis haben (wobei das durchaus auch in die andere Richtung gehen kann).

Worauf ich an dieser Stelle besonders eingehen möchte: die Schule und was unser Schulsystem eigentlich dazu beiträgt, unser Sicherheitsbedürfnis zu beeinflussen. Ich weiß nicht, wie das bei dir war, aber was ich selbst erlebt habe und auch von vielen, vielen anderen höre: dass die Schulzeit sehr doll geprägt ist von diesem großen Ziel, uuuunnnbedingt einen guten Schulabschluss machen zu müssen. Weil – so die Angst vieler Eltern – sonst wird aus dem Kind ja nix. Dass das Quatsch ist (und überhaupt: was heißt das eigentlich, dass „aus einem was wird“???), muss ich dir sicher nicht erzählen.

Und ich kenne durchaus nicht wenige (heute erwachsene) Leute, denen das echt krass viel Stress bereitet hat. Die richtig Angst hatten, kein gutes Abi zu machen oder gar das Abi nicht zu packen. Weil sie dachten, dann haben sie keine Perspektive. Und Angst ist nun nicht unbedingt die beste Voraussetzung, um etwas zu lernen. Es ist die schlechteste.

Erinnerst du dich, wie das Lernen für Klausuren aussah? Ziel war ja eine gute Note. Heißt: wer sich gut anpassen kann, wer das wiedergibt, was die Lehrer hören wollten, war schonmal auf einem guten Weg. Fehler vermeiden (weil die werden ja, rot angestrichen, rot = Alarm!). Nun mal ne kurze Frage: wie entstehen eigentlich Innovationen? Kreative Ideen? Ich lass das mal so stehen 😉

(Mir ist bewusst, dass das definitiv NICHT für alle Lehrer*innen gilt. Es gab und gibt glücklicherweise immer mehr, die sich auf großartige Weise dafür einsetzen, dass Lernen Spaß macht – auch wenn das in dem System Schule nicht immer leicht ist. An dieser Stelle also ein Herzliches Dankeschön, macht bitte weiter!).

Wie beeinflusst uns das Sicherheitsbedürfnis?

Je nachdem, wie sehr wir ermutigt wurden, uns auszuprobieren, Fehler zu machen (und daraus zu lernen), werden wir also auch als Erwachsene uns ins Risiko wagen – oder eben nicht. Heißt auch: je stärker das Sicherheitsbedürfnis insgesamt ausgeprägt ist, desto weniger innovative und kreative Ideen wird es insgesamt geben. Also auch weniger Fortschritt.

Vielleicht kennst du das Zitat von Edison nach seinen etlichen Versuchen, eine Glühbirne zu entwickeln: „Ich habe nicht versagt. Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, wie es nicht funktioniert.“ Da können wir also ziemlich froh und dankbar sein, dass er sich nach einem Mal Scheitern nicht direkt wieder von der Idee abgewandt hat.

Womöglich würden wir dann noch im Dunkeln sitzen. Genauso wie viele, viele Menschen mit starkem Sicherheitsbedürfnis in einer Situation „festsitzen“, die ihnen eigentlich gar nicht (mehr) gefällt. Sie verharren im Altbekannten. Weil es viel zu riskant wäre, was Neues zu wagen. Wie ich in einem anderen Blogbeitrag bereits geschrieben hatte: über lange Zeit unglücklich im Status Quo zu verharren, kann auch sehr riskant werden. Denn das kann natürlich wiederum auf die Gesundheit (mental und physisch) schlagen.

Und: wir werden gegenüber neuen, unbekannten Situationen immer unsicherer. Hups. Wir wollen Sicherheit und werden unsicherer? Ja, zumindest was „das Neue“ betrifft. Weil wir darin ja weniger Erfahrung sammeln und weniger Erfolgsmomente erleben à la „Wow, ich kann das ja (doch)“. Und wie wir alle wissen, wird die Arbeitswelt immer unsicherer (Stichwort VUCA-Welt). Insofern tun wir gut daran, zu üben, mit neuen Situationen umzugehen. Damit bereiten wir uns hervorragend auf die Arbeitswelt der Zukunft vor. Und ermöglichen uns dabei großartige Chancen. Chancen, dass es richtig, richtig gut wird (so wie bei mir damals in Südafrika).

Was kannst du tun?

So, nun könntest du dazu geneigt sein, dein Sicherheitsbedürfnis zu verfluchen – scheint es dich doch an so vielen Dingen zu hindern.

Stopp, warte. Denn das Sicherheitsbedürfnis meint es ja gut mit dir: es sorgt dafür, dass du dich nicht kopflos in Gefahrsituationen begibst. Dass du dich nicht „einfach so“ komplett verschuldest. Oder auch, dass du nicht „einfach so“ deinen Job hinschmeißt – auch wenn du unzufrieden bist. Das ist ziemlich cool und dafür dürfen wir, darfst du deinem Sicherheitsbedürfnis einmal danke sagen. Würdigen, was es da Gutes für dich tut.

Wichtig ist: das Sicherheitsbedürfnis sollte nicht so stark sein, dass es dich komplett lähmt und dir tatsächlich regelmäßig im Weg steht, Chancen von Veränderungen zu nutzen. Dich an deiner persönlichen Entwicklung hindert – obwohl du dir das insgeheim wünschst.

Daher braucht es an der Seite deines Sicherheitsbedürfnisses auch einen Anteil in dir, der bereit und in der Lage ist, sich auf Neues einzulassen. Dem Prozess zu vertrauen. Dir selbst zu vertrauen. Das geht übrigens besonders gut, wenn du INNERE Sicherheit spürst (dazu hatte ich hier auch schon geschrieben – auch, was helfen kann, diese aufzubauen).

Die Angst ist hier ja oft die, dass man sich in eine Situation begibt, die dann (in den inneren Horror-Szenarien) ganz schlimm endet. Das ist jedoch ziemlich unwahrscheinlich, eben WEIL du ja nicht einfach so kopflos losrennst ins Ungewisse. Sondern du hast ja stets dein Sicherheitsbedürfnis mit an Board – das wird also schon dafür sorgen, dass sich alles in einem Rahmen bewegt, in dem die Risiken vorausgedacht und Bewältigungsmöglichkeiten vorab überlegt wurden.

Darauf achte ich auch im Coaching immer: dass das Sicherheitsbedürfnis unbedingt mit berücksichtigt wird. Denn ich wage mal zu behaupten, dass die wenigsten Menschen vom Typ her so sind, von jetzt auf gleich ins kalte Wasser zu springen. Daher ist es wichtig, nach Möglichkeiten zu suchen, tatsächlich loszugehen und dabei ein „Sicherheitsnetz“ gespannt zu haben.

Was für ein Sicherheitsnetz könnte das sein? Wenn du beispielsweise mit dem Gedanken spielst, eine Selbständigkeit aufzubauen, wäre es ziemlich riskant, dein Angestelltenverhältnis zu kündigen und davon auszugehen, dass du von Tag 1 der Selbständigkeit ausreichend Einnahmen generierst. Viel klüger ist es, das Ganze erstmal nebenbei zu starten. Dann kannst du vielleicht anfangen, deine Stunden zu reduzieren und wenn die ganze Sache dann irgendwann so gut läuft, dass dir die Zeit fehlt – kannst du entweder weiter reduzieren oder natürlich ganz reingehen.

In dieser Kombination erscheint es dann viel weniger ängstigend und wirklich praktisch umsetzbar.

Wie auch immer du dich entscheidest: wenn du dir Veränderung wünschst, überlege dir Wege, die du wagst zu gehen, allein oder mit Unterstützung.

 

Über mich

Coaching berufliche Neuorientierung Anne Klien

Hallo, ich bin Anne, Psychologin und Coach.

Die Selbständigkeit war ehrlicherweise kein Weg, der mir auch nur ansatzweise in die Wiege gelegt wurde. Wäre ich also meinem Muster weiter gefolgt, so würde ich noch heute als halb-zufriedene Personalerin arbeiten. Dass ich trotz Sicherheitsbedürfnis und Zweifeln komplett neue Wege gegangen bin, hilft mir, deinen Struggle im Veränderungsprozess zu verstehen und GLEICHZEITIG dafür zu sorgen, dass du losgehst. Weil ich weiß: nur durchs Losgehen finden wir unser Ziel. Und nur durchs Losgehen wachsen wir.

Beim Losgehen möchte ich dich begleiten: durch den Blog und meine Coaching-Angebote.

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